SANKT PETERSBURG: DEFINITIV EINEN (LANGEN) BESUCH WERT

Version 2

Eine Stadt, die verzaubert. Sie ist verschnörkelt, sie erinnert an Disney-Filme der eigenen Vergangenheit und erzählt von der Vergangenheit und Gegenwart des Landes. Wir wären gerne länger geblieben.

Zwei volle Tage in Sankt Petersburg reichten uns nicht aus. Es gab zu viel zu entdecken! Die Schnörkel an den Wänden müssten ausgiebiger betrachtet werden. Mosaiksteinchen an der Decke gehören bewundert. Und die verpasste Free Walking Tour würden wir auch so gerne nachholen, auch wenn wir selbst Schuld daran waren, dass wir es nicht rechtzeitig zum Treffpunkt schafften. Ach, und der berühmte Ausflug nach Petershof war auch nicht drin.

Aber das was wir gesehen haben, war bezaubernd!

 


Hermitage: Residenz der Romanows


Gold. Schnörkel. Goldene Schnörkel. Kronleuchter, größer als ein Studentenzimmer. Wandbemalungen, die jeden Zentimeter bedecken. Gold. Gemälde, doppelt so groß wie unser Badezimmer. Schnörkel. Goldene Schnörkel.

Das heutige Hermitage in Sankt Petersburg war fast zwei Jahrhunderte die Residenz russischer Monarchen, unter ihnen die Romanows. In Russland werden Disney-Filme (fast) wahr. Wer kennt noch den Zeichentrickfilm „Anastasia“ aus den 90ern, in dem das Waisenmädchen Anya sich auf die Suche nach ihrer Herkunft macht? Im Film stellt sich heraus, dass Anya in Wirklichkeit die Zarentochter Anastasia Nikolajewna Romanowa, die letzte Überlebende der Romanow-Familie, ist.

Die Geschichte ist jedoch frei erfunden. Eine Anastasia Nikolajewna Romanowa und die Familie Romanow gab es aber wirklich.

 


Majestätische Kronleuchter, imposante Ballsäle und ein Da Vinci


Die Außenfassade kündigt bereits die Schönheit des Winterpalasts an, das größte Gebäude des Hermitages: mintgrüne Wände mit weißen Säulen und – wie könnte es anders sein – goldenen Schnörkeln. Hier befindet sich der Eingangsbereich zum Hermitage.

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Vorbei an der wuseligen Menschenmasse am Ticketschalter und in den Garderoben und uns erwartet ein Treppenaufgang, der einem Zar gebührt. Hohe, weiße Decken, roter Teppich und Wandverzierungen soweit das Auge reicht.

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Wir schreiten durch eine Tür und uns umgibt Gold. Goldene Pfeiler, goldene Kronleuchter. Ein anderer Raum glänzt wie Kristall, in einem weiteren stehen wir unter einer 17 m hohen, hellblauen Decke, während an roten Wänden meterhohe Gemälde hängen. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.

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Drei Stunden später. Die Füße wund gelaufen, der Kopf gesättigt. Wir stöbern ein letztes Mal in unserem Reiseführer und entdecken einen Da Vinci und einen Rembrandt, die ebenfalls hier im Hermitage hängen. Bisher haben wir der Kunstsammlung, die diese imposanten Räume ausfüllt wenig Beachtung geschenkt und sind am Da Vinci sogar vorbeigelaufen, ohne ihn zu bemerken. Wir verrenkten uns lieber die Hälse, um jedes Detail der beeindruckenden Räume zu erfassen. Aber so einen Da Vinci …. den müsste man doch wirklich einmal (bewusst) gesehen haben. Ebenso einen Rembrandt. Die Namen kennen selbst wir Kunstbanausen.

Diese Punkte auf der Bucket-List des Lebens schnell eingetragen und abgehakt.

 


Church of the Spilled Blood: 24 Jahre lang Mosaiksteine setzen


Was sollen wir groß über diese – uns fällt wieder einfach kein passenderes Wort ein – imposante Kathedrale schreiben? Von außen zauberhaft und von innen ein Bilder-Meer aus winzig kleinen Mosaiksteinchen und damit noch zauberhafter! Kein Wunder, dass der Bau 24 Jahre gedauert hat.

Denkt daran, wenn ihr euch die Bilder der Decke innen anseht. Die Bilder bestehen aus MOSAIKSTEINCHEN!

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Decke in der Church of the Spilled Blood

 


Schwanensee: Eine Tänzerin, zwei Rollen


Klassisches Ballett, Musik und Theater sind ein wichtiger Teil der russischen Kultur. Jeden Abend können Kulturbegeisterte die Klassiker in einem der unzähligen und weltweit bekannten Theater bestaunen.

In Moskau, im Bolschoi Theater, fand 1877 sogar die Uraufführung des Ballettstücks Schwanensee statt. Es war ein Fiasko! Das lag jedoch nicht am Komponisten Tschaikowski, sondern am unfähigen Choreografen, sowie fehlende Bühnenequipment und -kostümen. Traurig nur, dass dies die einzige Aufführung sein sollte, die Tschaikowski noch erlebte.

18 Jahre später wurde das Stück wieder aufgegriffen. Neuer Ort, neue Choreografen: Im Jahr 1895 wurde die Uraufführung im Mariinsky-Theater in Sankt Petersburg ein voller Erfolg. Und das ist das herausragende Ballet-Stück bis heute.

Viele kennen sicherlich den Film „Black Swan“ mit Nathalie Portmann, in welchem eine junge Frau alles gibt, um die Hauptrolle in diesem Ballett-Klassiker zu erhalten. Diese Rolle verlangt alles von ihr ab. Sie gilt als eine der anspruchsvollsten in der Welt des Balletts, denn üblicherweise verkörpert eine Tänzerin sowohl die zarte, unschuldige Schwanenkönigin Odette als auch ihre schwarze, aufreizende und böse Doppelgängerin Odile.

Im Film zerbricht die Hauptdarstellerin an dem Druck, diese gegensätzlichen Bewegungsmuster in einer Person zu vereinen und perfekt zu beherrschen.

 


Ballett-Schnäppchen!


Du kannst es dir denken, warum wir dir das erzählen. Sankt Petersburg – Ballett – Schwanensee. Das müssen wir sehen!

Die erste Internetrecherche auf einer „Discount-Seite“ spuckt Kartenpreise von 110 Euro pp. aus. Das ist viel Geld. Doch wir fanden DAS Schnäppchen überhaupt: Karten ab 10 Euro im Alexandrinsky Theater (Unser Tipp zur Schnäppchen-Suche s.u.). Ganz oben, ganz hinten, auf Stühlen. ABER Schwanensee im Original in Sankt Petersburg. Wir gönnten uns sogar ein kleines Upgrade eine Etage tiefer, ganz hinten, auf Stühlen. Für 17 Euro.

 


Ein Zauber in rot, gold und weiß


Ganz aufgeregt nehmen wir an unserem letzten Tag in Sankt Petersburg auf den gebuchten Stühlen fast ganz oben Platz. Wir befinden uns in einem kleinen „Abteil“ mit zwei weiteren Personen vor uns.

Wir schauen nach vorne und es bietet sich ein umwerfender Aus- und Anblick!

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Mit ein bis bisschen rücken und den anderen im angebrachten Rahmen auf die Pelle rutschen, haben auch wir einen guten Blick auf die Bühne. Mit etwas mehr strecken, sehen wir auch fast die letzte Ecke der Bühne, die von der Balustrade verdeckt ist. Aber 17 Euro .. kannst du nichts sagen.

Der rote Vorhang öffnet sich träge. Die Tänzer bewegen sich grazil und erzählen eine Geschichte ohne Worte, die wir nach kurzem Googeln der Handlung auch verstehen. Die erste Szene, ein Sommerfest, ganz nett.

Das Szenenbild wechselt. Das Licht ändert sich von weichem Orange zu kaltem Blau. Nebelschwaden wabern über die Bühne. Im Hintergrund ziehen langsam zwei Schwäne vorbei. Dann gleitet der erste „Schwan“ hinein. Odette. Auf Zehenspitzen und mit weichen Armbewegungen, die an den Flügelschlag eines Schwans erinnert, füllt sie als einzige Person die Bühne aus. Wir sind fasziniert.

Wenig später, weitere Schwanen-Damen. So grazil, so weiß, so zerbrechlich. Ab diesem Punkt sind wir gefesselt und genießen die Vorstellung einfach. Ab und zu ein kleiner Stuhlrücker, damit wir besser sehen können, doch das Bild vor uns hat uns gefangen.

Zum Finale steigen wir in das leer gewordene Nachbarabteil und setzen uns in die erste Reihe, direkt an die Balustrade. Der Blick komplett frei auf die Bühne. Wir lehnen uns auf das Geländer, weiter hinein ins Bild und saugen diesen Zauber in uns auf.

Ein wunderschönes Ende in einer so zauberhaften Stadt.

Ohne TitelQuelle: https://en.alexandrinsky.ru/afisha-i-bilety/swan-lake-st-petersburg-tchaikovsky-ballet-theatre/



Tipp Kartenkauf Winter Palace & Church of the Spilled Blood

Es ist nicht unüblich, für Sehenswürdigkeiten Eintritt zu bezahlen. Haltet dabei Ausschau nach Ticket-Automaten vor dem Gebäude, um den Warteschlangen an der Kasse zu entgehen.

Beispiele: Hermitage (Automat im Innenhof des Eingangsbereich) und Church of the Spilled Blood (Automat links von der Kasse).


Unsere Empfehlung (Hostel)

Chickadee Hostel | www.chickadeehostel.com
Dieses liebevoll eingerichtete und gepflegte Hostel mit hohen Decken, Etagenbetten mit schicken Vorhängen als Sichtschutz und einer familiären Atmosphäre können wir bestens empfehlen. Zusätzlich gibt es kostenloses Frühstück sowie kostenlosen Wäscheservice.


Schnäppchen-Tipp für den Kartenkauf für das Ballett Schwanensee in Sankt Petersburg

Tipp 1: Eine gründliche Recherche lohnt sich
Lass dich nicht von der Discount-Seite zufriedenstellen, die dich bei deiner Suche nach Ballett-Karten gleich als erstes in der Google-Recherche anleuchtet.

Tipp 2: Gehe direkt auf die Webseiten der Theater
Klicke dich direkt durch die Seiten aller Theater in Sankt Petersburg. Es muss nicht gleich das Mariinsky Theater sein. Eine kurze Google-Recherche führt dich auch zu den anderen (Stichwort Alexandrinsky Theater https://en.alexandrinsky.ru)

Tipp 3: Nutze Google-Translator oder bitte jemanden, der russisch spricht, zu helfen (z.B. aus Empfangsbereich im Hostel/Hotel)
Viele Webseiten gibt es auch als englische Version. Falls nicht, oder falls du auf eine russische Seite weitergeleitet wirst, lass dich davon nicht abschrecken. Google-Translator ist mittlerweile so gut geworden, dass du dich ohne Probleme zurechtfinden kannst. Vielleicht kann dir auch jemand aus dem Hostel/Hotel weiterhelfen.

Tipp 4: Bester Platz für wenig Geld: Direkt am Geländer
Sofern das ausgewählte Theater, wie im Alexandrinsky Theater, Sitzplätze in Tribünen übereinander hat, wähle einen Sitzplatz direkt am Geländer. Den geringen Aufpreis wirst du nicht bereuen und der Blick auf die Bühne ist unvergleichbar.

Theater

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