Mongolei: Zwischen Verkehrsstaus und Baby-Yaks

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Zwei Wochen sind wir bereits in der Mongolei. Während dieser Zeit haben wir so unglaublich viel über das Land und die Lebensweise der Mongolen erfahren, wie wir nicht zu hoffen gewagt haben. Wie das möglich ist? Wir haben mit und für Mongolen gearbeitet.

„Ein Land der Kontraste“ ist ein vielfach verwendeter Begriff, um Länder, Städte und Kulturen zu beschreiben. „Zwischen Moderne und Tradition“ ebenso. Eigentlich wollen wir diese Beschreibungen nicht verwenden. Erfinderischer sein. Doch sie treffen beide so sehr auf die Mongolei zu, wenn wir über die Hauptstadt Ulaanbaatar berichten wollen und dabei direkt an den Rest des Landes denken müssen. Wir versuchen es daher mit „Zwischen Verkehrsstaus und Baby-Yaks“. Denn das ist das, woran wir zuerst bei den beiden gegensätzlichen Welten denken müssen.

 


ULAANBAATAR: EXOTIK MIT VERTRAUTEM FLAIR


Wir haben Ulaanbaatar, die Hauptstadt der Mongolei mit ihren Verkehrstaus auf der einen Seite. Hier leben mit 1,5 Millionen Menschen etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung der Mongolei. Wir sind umgeben von Hochhäusern. Nicht einschüchternd hoch. Nicht alles erdrückend. Sie sind schick und geben UB, wie die Hauptstadt genannt wird, einen modernen Flair. Während wir durch die Straßen laufen, fühlt es sich für uns alles bekannt an. Nur mit einem extra Hauch Exotik.

UB

Wir hören das Hupen der Autos, sehen sie in Reih und Glied im Stau stehen. Wir entdecken „gut und günstig“ Produkte aus Deutschland in den Regalen der Supermärkte. Wir laufen vorbei an Restaurants, in denen Pizza angepriesen wird und gleichzeitig koreanische Gerichte serviert werden. Ein riesiger Dschingis Khan, der Held des Landes, thront auf dem Dschingis Khan Square. Von Zeit zu Zeit läuft uns ein buddhistischer Mönch mit orangener oder roter Robe über den Weg.

Immer wieder weht uns der Geruch von gebratenem mutton, Schaf, entgegen. Für uns nicht so lecker. In unserem gemütlichen Hostel gibt es fließendes Wasser, Strom und Internet.

Hä? … Wieso stellen wir das so heraus? Das ist doch wohl klar. Fließendes Wasser. Das sollte heutzutage doch selbstverständlich sein. Ja, in UB schon. Hier gibt es die Annehmlichkeiten, die wir in der heutigen Zeit für selbstverständlich halten. Doch im Rest des Landes nicht.

 


EINBLICK IN EINE ANDERE LEBENSWEISE


Die andere Seite des Landes. Hier sind eben diese Sachen nicht selbstverständlich. Möglicherweise vorhanden, aber hier kann nicht davon ausgegangen werden.

Beispiel: Der Ort Hatgal. Er liegt im Norden des Landes, 900 km von der Hauptstadt entfernt, direkt am Touristenmagnet dem Khovsgol-See. Familien nutzen Wasser aus Wassertanks im Garten, duschen mit Camping-Duschen und verrichten ihr Geschäft in kleinen Häuschen über Löchern im Boden. Woher wir das so genau wissen? Weil auch wir so gelebt haben.

Für über eine Woche arbeiten wir für Kost und Logis und erhalten einen unvergesslichen Einblick in die mongolische Lebensweise. Wir hben einen Host gDoch obwohl fließendes Wasser in unserem Leben so etabliert ist, vermissen wir es nach wenigen Tagen gar nicht so sehr, wie wir gedacht hätten. Stattdessen öffnet das unsere Augen, wie wichtig dieser Rohstoff ist. Eine Tatsache, die so schnell vergessen ist, wenn Wasser in scheinbar unendlichen Mengen aus dem Hahn kommt. Schnell packt uns das schlechte Gewissen zurück in UB, als wir uns eine längere, warme Dusche gönnen wollen.

Doch zurück zur Natur.

 


FARMERSLIFE


Meine Chucks tragen mich über hartes, hellgrünes Gras. Vorbei an Pferden, die nur wenige Meter neben mir grasen. Ich höre, wie ihre Zähne das Gras abreißen. Ich laufe weiter. Hinter dem nächsten grünen Hügel stehen Yaks. Sie beobachten mich durch ihr zotteliges Haar. Sie sind wachsam und schreckhaft. Ein Schritt näher und sie zucken zurück, bereit zu rennen. Doch ich bin auf der Suche nach der Schaf- und Ziegenherde, die von ihrer Route abgewichen ist und laufe an den Yaks vorbei.

Eine Szene, die ich für immer in meinem Kopf speichern möchte.

Wo wir sind? Unser Weg hat uns noch weiter von den Annehmlichkeiten der Stadt weggeführt. Wir sind als erstes für vier Tage auf einer Farm 8 km von Hatgal entfernt und schlafen, arbeiten, essen und leben zusammen mit einer kleinen mongolischen Familie.

Hier müssen wir erst das Wasser aus dem Fluss holen, damit es in den Wassertank gefüllt werden kann. Eine Dusch-Vorrichtung gibt es nicht. Wir nutzen das kalte Flusswasser und eine Flasche zum Haare waschen. Die Toilette sind drei niedrige Wände aus Brettern, damit zumindest der Blick auf den nackten Po verdeckt ist, während das Loch im Boden benutzt wird. Über einem der blaue Himmel, vor einem die grünen Hügel mit weißen Flecken, den Schafen.

Klo

 


WIR WOLLEN BLEIBEN


Wir lieben es!!! Wir möchten länger hier bleiben als nur vier Tage. Wir wollen mehr Yak-Tee trinken, weiterhin jeden Tag frisches Brot und frische Yak-Butter essen. Schafe und Ziegen von den Hügeln zur Farm treiben. Mit Lämmern spielen. Sie streicheln. Unsere Herzen machen einen Sprung, wenn unser Lieblingslamm, das ständig an unseren Fingern nuckelt, uns entgegen springt, wenn es uns sieht. Uns nicht mehr von der Seite weicht und wir aufpassen müssen, dass wir nicht über es stolpern, während wir Baby-Yaks in ihre Ställe treiben. Danach die Mama-Yaks mit lautem „tsch“ zu ihren Babys in den Stall scheuchen, damit die Mutter der kleinen Familie sie melken kann.

Wir wollen weiter beobachten, wie sie an den typisch mongolischen Öfen kocht, backt und die Milch haltbar macht. Je länger wir bleiben, desto besser wissen wir, was zu tun ist und fühlen uns wie ein Mitglied der Familie, die ihren Beitrag leisten. Und die kleine vierjährige Tochter ist einfach Zucker.

 


DAS BISSCHEN HAUSHALT IST DOCH KEIN PROBLEM


Doch nach diesen wunderbaren vier Tagen geht es zurück nach Hatgal, wo wir ebenfalls arbeiten werden. Der Host, der uns „eingestellt“ hat, schickte uns zunächst zu seiner Verwandtschaft auf die Farm und braucht uns nun selbst: Wir werden zu Managern eines Guesthouses, während der Besitzer seine Verwandten in den Bergen besucht. Auch hier: Leben ohne fließendes Wasser. Was uns die Erfindung der Waschmaschine preisen lässt.

Wir profitieren davon, dass wir beobachtet haben, wie diese verrückten mongolischen Öfen, die auch in jeder Jurte zu finden sind, benutzt werden. Wenn nur dieses Holz richtig trocken wäre… Jetzt haben wir noch mehr Respekt vor dem täglichen Umgang der Familie auf der Farm mit diesem Ofen!! Unsere ersten Kochversuche brachten noch etwas harte Nudeln hervor.

Ein Loch im Boden zum **** ist für uns mittlerweile ganz normal. Und mittlerweile ist ein etwa 500 ml-fassender Behälter mit „Wasserhahn“ und ein Waschbecken mit Eimer drunter Luxus. Nur täglich Bettwäsche der Gäste waschen so wie früher macht jetzt nicht sonderlich viel Spaß. Doch frische Wäsche hat noch nie so gut gerochen, noch nie so schön im Wind geweht und musste noch nie so oft bewundert werden, wie in diesen Tagen. „Przemek, riecht die Wäsche nicht toll?“ Außer wenn ein Vogel die aufgehängte Wäsche ankackt. Und das ganze noch einmal von vorne losgeht.

Wäsche

 


EINFACH UNVERGESSLICH


Als wir Hatgal nach insgesamt elf Tagen verlassen, können wir verstehen, warum viele Familien freiwillig auf die Annehmlichkeiten der Großstadt verzichten. Die frische Luft, die Natur und die Tiere um uns herum waren unvergesslich. Wir werden sie vermissen.

 


Du möchtest mehr von unserem Famerslife oder uns die Wäsche schrubben sehen? Dann schau auf unserem Youtube-Kanal vorbei.

Du möchtest auf deinen Reisen ebenfalls bei Einheimischen arbeiten und mehr über Land und Leute lernen? Unser Tipp: www.workaway.info

4 Gedanken zu „Mongolei: Zwischen Verkehrsstaus und Baby-Yaks

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