Mongolei: Durch die Wüste Gobi „like a family“

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Die Wüste Gobi. Wir waren noch nie in einer Wüste! Wie ist das da so? Heiß bestimmt. Und sandig. Und wahrscheinlich staubig. Doch wir haben mal gehört, dass eine Wüste viel farbiger sein soll, als die meisten denken. Wie richtig diese Info ist!

2.000 km. 6 Tage. 4 Menschen. 1 Auto. Es geht in die Wüste Gobi! Doch nicht alleine. Es wird dringend davon abgeraten auf eigene Faust diese menschenfeindliche Gegend zu erkunden. Öffentliche Verkehrsmittel fahren dort sowieso nicht hin. Also haben wir – wie die meisten es wahrscheinlich tun – eine Tour gebucht.

Die kleinen Dinge des Lebens
Sechs Tage lang reisen wir mit Turuun und Ganaa „like a family“ über Stock und Stein. Wir lauschen der tiefen und vollen Stimme unseres Fahrers Ganaa, als er irgendwo in der Wüste Gobi ein melodisches mongolisches Lied anstimmt. Es ist den Pferden gewidmet, die hier verehrt werden. Ein anderes Lied handelt von den schönen Händen einer jungen Frau. Dann müssen wir ran. Angestrengt durchforsten wir unsere – sehr, sehr textunsicheren – Hirne nach einem deutschen Lied, das wir beisteuern können. Und landen bei einem sehr unharmonischen und schiefen …. „Eeeeh, ab in den Süden, der Sonne hinterher, Ejo was geht? der Sonne hinterher, Ego was geht; ja ich sag ab in den Süden … ja Tequila, Tequila, Tequila, Wonderbra und heute Nacht machen wir noch die ganze Insel klar.“ Ääääh Kultur und so.

Auto

Mit unserem Guide Turuun philosophieren wir über die Chancen und Schwierigkeiten für den Tourismus in der Mongolei. Er möchte später einmal eine eigene Tour-Company gründen. Viele Ideen schwirren ihm schon im Kopf herum. Doch die werden noch nicht verraten.

Es werden Wrestling-Kämpfe zwischen den Männern der Gruppe ausgefochten – ein Sport, der Frauen nicht zulässt.

Ganaa schleicht sich auf einmal heimlich an ein Fohlen heran und fängt es mit bloßen Händen. Einfach, weil er es kann. Überhaupt ist unser Fahrer ein richtiger Haudegen. Turuun übersetzt uns die Geschichte, als Ganaa nur mit einem Stahlrohr bewaffnet einen Wolf zur Strecke brachte, der einer Schafherde zu nah kam. Mit einem Stahlrohr!! Es gibt sogar ein Beweisfoto, das er uns stolz auf seinem Handy zeigte. Als uns an unserem letzten Camp berichtet wurde, dass in den nahegelegenen Bergen Wölfe leben, mussten wir uns also keine Sorge machen. Schließlich haben wir Ganaa bei uns ;).

Schnell merken wir alle, dass die Chemie stimmt. Bereits an unserem zweiten Abend, bei dem wir wieder das mongolische Anstoßen mit Wodka üben und die beiden Mongolen das deutsche „unbedingt-in-die-Augen-gucken“ beherzigten, prosten wir uns gegenseitig auf „travelling like a family“ zu.

Wodka


DIE SCHÖNHEIT DER NATUR


Doch natürlich haben wir nicht nur Wodka getrunken und die Jungs haben gewrestled. Wir sahen die schönsten Ecken der Gobi Region und in der Wüste selbst. Seht selbst. Es ist einfach unbeschreiblich!


TAG 1: ULAANBAATAR – WHITE STUPA


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Wir vor unserem ersten Ger-Camp in der Region Gobi (noch nicht direkt in der Wüste, auch wenn es bereits so aussieht). Und direkt hinter dieser Umzäunung …

… die Kamele der Familie!

Hier seht ihr die Felsformation „White Stupa“. Findet ihr Przemek? So winzig! Und die Felsen… so hoch! 60 m! Hier war vor Millionen von Jahren einmal ein Ozean. Das was wir jetzt sehen ist der Grund dieses Meeres. Die Ablagerungen. Nachdem das Wasser verschwunden ist, wurden sie vom Wind geschliffen.

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Wir bleiben, bis ein Sandsturm aufzieht.


TAG 2: WHITE STUPA – YOLIN AM


Von staubig geht es zu grün und weiß. Weiß wie Eis. Es ist Eis! Doch zuerst: Ein paar Gazellen auf unserem Weg.

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Wir erreichen Yolin Am. Diese Jurten sind einfach das Beste und diese Aussicht dazu! Pferde laufen einfach an uns vorbei.

Was dieses Yolin Am überhaupt ist? Ein grünes Tal zwischen braunen, steinigen Bergen, in dem selbst im Sommer das Eis aus dem Winter nicht schmilzt. Es wird geschlittert! Doch gefallen sind wir nicht! Nur Anke ist leicht ausgerutscht und mit dem Fuß im eiskalten Schmelzwasser gelandet. Ein Schrei des Schreckens hallt durch das Tal.

Und dann kam Eis …

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Nachdem wir in Hatgal das erste Mal einen Ausritt gemacht haben, können wir es gar nicht erwarten, uns wieder auf die Rücken der Pferde zu schwingen. Przemek gibt dieses Mal richtig Gas und galoppiert!! Also .. jetzt nicht auf dem Bild. Da sind wir gemütlich unterwegs.

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TAG 3: Yolin Am – Khongor Sanddüne (Gobi Wüste)


Nun sind wir wirklich in der Wüste Gobi! Und sie ist nicht nur gelb oder orange. Sie hat so viele Facetten!

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Und eine Menge Sand! Sand, der in einem Sturm über den Boden fegt. Wie winzig kleine Nadelstiche sich in unsere Beine beißt. Die Hand vor den Augen nicht sehen lässt und selbst der Gang zum Klo wird zum Abenteuer.

Dieser umherfliegende Sand macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Besteigung der bis zu 400 m hohen Sanddüne Khongor fällt am Abend unserer Ankunft aus. Stattdessen sitzen wir geschützt in der Essens-Jurte, in die langsam der Sand durch die kleine offene Klappe an der Decke auf den Glastisch rieselt. Wir malen Sandblumen auf dem Tisch, während die nächste Flasche Wodka – dieses mal „Chinggis-Wodka“ – geleert wird und ein Liegestütz-Wettkampf entbrennt.

Am nächsten Morgen …
Auch auf dem Boden unserer Jurte hat sich Sand angesammelt. Ebenso auf unseren Rucksäcken und in unseren Betten. Doch der Sturm hat sich gelegt. Schnell stehen wir auf, schieben uns Toastbrot hinter die Kiemen und die große Sanddüne wird bestiegen!

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Wir schleppen unsere roten „Slides“ den steilen Berg hinauf. Przemek und Turuun kämpfen darum, den Gipfel als erstes zu erreichen. Anke und Ganaa darum, nicht die/der Letzte zu sein. Oben angekommen pfeift der Wind über die Kante und verhindert jeden Blick zurück auf die noch folgenden Sanddünen-Bekämpfer. Nur die Jacken über den Köpfen verhindern, dass die Sandkörner in den Augen landen.

Mit Buff, Sonnenbrille und Jacke über dem Kopf fahren wir die Düne wieder hinunter. Das klappt nicht ganz so schnell wie erwartet. Doch es hat sich trotzdem gelohnt!!!

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TAG 4: Khongor Sanddüne – Flaming Cliffs


Brennende Klippen. Leuchtendes Rot. Passt! Hier wurden übrigens 1920 die ALLERERSTEN Dinosaurier-Fossilien JEMALS gefunden! Hier war ganz klar das Ei vor dem Dinosaurier da … also es wurde zumindest gefunden. Huhn oder Ei – übrigens eine weitere philosophische Frage, die wir auf unserer langen Fahrt geklärt haben. Wir alle vier sind der Meinung das Ei war zuerst da. Punkt.

 


TAG 5: Flaming Cliffs – BAGA GAZRIIN CHULUU


Wir können kaum in Worte fassen, was für ein wunderschöner Platz Baga Gazriin Chuluu ist. Ein so perfektes Ende für unsere Tour und für unsere gesamte Zeit in der Mongolei. Stellt euch vor: Ein Ger-Camp ganz am Rande des Tals. Eine freundliche Nomadenfamilie, die uns zur Ankunft Ziegen-Joghurt reicht. Sie teilen ihre Geschichten über das Leben als Nomaden, über den Kampf um Wasser, und wir dürfen beim Ziegenmelken helfen! Okay, so viel Milch ist aus unseren Ziegen nicht rausgekommen – die waren bestimmt alle – aber ein kleines Schüsselchen haben wir schon gefüllt.

Langsam geht die Sonne unter. Unser letztes Ger-Camp wird in warmes Licht getaucht und wir klettern über braunes Gestein, dem Sonnenuntergang entgegen. Immer wieder hören wir einen Wolf heulen. Ach ne, das ist ja Ganaa, nachdem er von den Wölfen in den Bergen gehört hat.

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IMG_3791.jpgV.r.n.l. Ganaa und Turuun. Uns kennt ihr ja.

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Wir beobachten Pferde beim Grasen im Sonnenuntergang. Es könnte nicht perfekter sein!

 


Tag 6: Baga Gazriin Chuluu – Ulaanbaatar