Indien: Eine Woche Yoga-Retreat und wir wissen nicht, was wir glauben sollen

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Indien – der Ursprung des Yoga. Damit ist klar: Wir wollen mehr über Yoga erfahren und uns mal wieder körperlich auspowern. Doch dass wir unter dem Begriff „Yoga“ etwas ganz anderes verstehen als die Yogis selbst, das war uns nicht klar …

Als Przemek das erste Mal vorschlug, dass wir doch ein Meditations-Retreat in Indien machen könnten, traute Anke ihren Ohren nicht. Kam das tatsächlich aus dem gleichen Mund, der nur wenige Wochen zuvor die Worte formte „Meditieren ist nichts für mich. Mein Kopf rattert dafür viel zu sehr.“ Doch genau das war jetzt sein Argument FÜR ein solches Retreat: „Mein Kopf rattert so sehr. Aber vielleicht wäre Meditieren genau das richtige, um das zu ändern. Das weiß man erst, wenn man es ausprobiert. Und wenn Przemek was macht, dann auch richtig. Er hatte Bock auf eine Woche schweigen und 5+ Stunden am Tag meditieren.

Nachdem Anke den Mund wieder zugeklappt hatte, breitete sich ein fettes Lächeln über ihrem Gesicht aus und sofort ging’s an den Laptop. Zwar hatte Anke eher an Yoga plus ein bisschen meditieren gedacht, aber auch damit konnte sie sich anfreunden. Schnell stellte sich (zum Glück?) raus, das das jedoch weit über unserem Budget liegt. Eine Woche Yoga Retreat in Goa passt da schon eher rein.

Und zack – gebucht – und es ist so viel besser als erwartet.

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Unser einwöchiges Retreat war die perfekte Mischung aus Ernsthaftigkeit und Spaß, dank dieser super Gruppe! Mit Vincent, Cloe, Eliott und Fabienne (nicht auf dem Bild) bei einem unserer Ausflüge an den Strand. Thank you guys for this amazing time!

 


DAS HAUPTZIEL ALLER YOGIS


Zuerst einmal lasst euch gesagt sein: Yoga ist nicht das, was wir in Deutschland unter Yoga verstehen! Wussten wir auch nicht. 

Wenn wir Europäer sagen „wir gehen zum Yoga“, dann reden wir von den Dehn- und Atemübungen, die wir im Fitnesskurs für eine Stunde machen. Die tun gut – keine Frage. Aber DAS ist nicht Yoga.

Diese Grundlage ist das erste, das in unseren Köpfen gerade gerückt wurde. Und zwar vom Retreat-Guru Gyanmitra Saraswati persönlich! Okay … er ist „nur“ einer der Mitgründer des SWAN Yoga Retreats, aber für uns ist er die Respektsperson schlechthin. Beinah ehrfürchtig lauschen wir seinen Worten, als er von dieser anderen Welt spricht, in der Yogis 200 Jahre alt werden, im Himalaya meditieren und schließlich die Verschmelzung zwischen der eigenen Seele und der Seele des Universums erreichen. BÄM. 

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Retreat Mitgründer Gyanmitra Saraswati. Für uns ist er aber einfach DER Guru.

Ups, da waren wir jetzt zu schnell. Zurück zur Grundlage: Diese „Fitnessübungen“, die wir Unwissenden Yoga nennen, heißen eigentlich Asana und sind Teil des Yoga, doch nicht Yoga selbst. Wir nutzen in den westlichen Ländern das Wort „Yoga“ als Synonym für Asana und denken wir machen Yoga, wenn wir diese physischen Übungen machen. Doch Asanas sind nur ein klitzekleiner Bestandteil des Yoga und dient lediglich dazu, den Körper darauf vorzubereiten, (stunden- oder sogar tagelang) zu meditieren. Durch Asana ziept und zupft es weniger und die Rückenmuskulatur ist stark genug, um den Körper sehr lange aufrecht zu halten. 

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Unsere morgendliche Meditations-Stunde. „Don’t move your body“ – und genau dann ist der Drang die Beine zu entspannen unendlich groß!

Nicht abgelenkt durch solch leidigen Limitierungen wie ein eingeschlafenes Bein gelingt es nun dem Yogi zu meditieren und so eines Tages – hoffentlich – Samadhi zu erreichen. Wo Jivatma, die (eigene) Seele, sich mit Paramatma, die höchste Seele, verbindet.

Und ja – da sind wir jetzt auch raus. Doch da ist noch mehr, denn wir haben den Guru höchstpersönlich für unseren Vlog interviewt:

 


OB WIR DAS ALLES GLAUBEN?


Diese Welt der Yogis, in die wir einen winzig kleinen Einblick erhascht haben, basiert auf Grundlagen, die unserer Welt so fern sind. So sprechen die Yogis des Retreats ganz selbstverständlich über den Tod und über Wiedergeburt, über Erleuchtung und das Dritte Auge. Wir hören von Yogis, die im Himalaya leben und tagelang ihren Körper so runterfahren können, dass kein Lebenszeichen mehr gemessen werden kann. Nach einer von ihnen gewählten Zeit „erwachen sie dann wieder zum Leben“.

Es ist schwer für uns zu sagen, ob wir all das glauben können. Vielleicht ist etwas dran – schließlich wissen wir auch nicht, was nach dem Tod kommt. Auch sind Menschen zu weitaus mehr fähig, als wir denken. Spiritualität gibt es bereits seit tausenden von Jahren und so viele Menschen glauben daran. Könnte doch was dran sein? Könnte es sein, dass einige Yogis tatsächlich 200 Jahre alt werden? Aber wenn das stimmt – warum wissen wir nicht davon?

Wir merken, dass wir uns – losgelöst von unserem Alltag in Deutschland – viel eher auf solche Gedankenspiele einlassen. Wenn wir umringt sind von Menschen, die daran glauben oder die sich spirituell gerade neu finden. Wenn diese von Begegnungen erzählen, die sie verändert haben. Wie sie ihren Guru gefunden haben – bzw.  ihr Guru sie gefunden hat. Wenn andere davon erzählen, wie sie mehrere Stunden meditieren und nicht merken, wie die Zeit verfliegt. Und wir sitzen in unseren Morgen-Sessions im Schneidersitz auf unseren Matten und können an nichts anderes denken, als den Schmerz in unseren Beinen.

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Mit der richtigen Beleuchtung macht Przemeks Meditationspose schon mächtig was her. Doch auch ihm schlafen bereits nach 10 min die Beine ein. Das muss auch er noch weiter üben.

 


ES SOLL NICHT DAS LETZTE MAL GEWESEN SEIN


Als wir nach einer Woche voller toller neuer Eindrücke unsere Yoga-Matten in unsere Rucksäcke quetschen, schwören wir uns, dass wir etwas davon in unseren Alltag in Deutschland mitnehmen wollen. Mindestens Asana wollen wir WIRKLICH weiter machen. 

Ja … Asana – die körperlichen Übungen sind eigentlich nur Mittel zum Zweck im Yoga und sie sollten nicht im Fokus stehen, doch wir kommen aus unserer (westlichen) Haut nicht raus. Sind wir doch mal ehrlich. Wir wollen fit und gelenkig werden. Doch immerhin ist es uns bewusst, dass wir nicht Yoga machen, und ermahnen uns immer wieder gegenseitig, wenn uns die falsche Beschreibung rausrutscht. „Nein, wir machen nicht Yoga, wir machen Asana!“

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Wir können es nicht lassen und messen unseren Fortschritt an unseren Asana-Posen. Hier: Die Krähe (Füße sind in der Luft). Die konnten wir vorher nämlich nicht 😇

Wer weiß … vielleicht steigen wir auch wieder in das ganze Thema ein, wenn wir wieder zuhause sind? Und vielleicht versuchen wir uns auch noch einmal im Meditieren? Nur den Schneidersitz lassen wir dann wahrscheinlich weg und versuchen es im Liegen – das ist schließlich auch eine gängige Praxis.

 


EINE ANTWORT SIND WIR EUCH NOCH SCHULDIG


Im letzten Beitrag berichteten wir über unsere Verwunderung, dass es uns Indien im ersten Moment nicht umhaut. Kein Kulturschock. Keine Überforderung. Ihr erinnert euch? Falls nicht, einmal schnell hier klicken: 📖 BLOG: Sind wir wirklich in Indien?. Wir fragten uns, ob das wohl in der nächsten Stadt, Mysuru, passieren wird …

Die Antwort: NEIN – auch in Mysuru hatten wir nicht den unbändigen Drang sofort wieder zurück ins Zimmer zu flüchten. Stattdessen machten wir uns super schöne Tage dort und feierten vor allem Przemeks Geburtstag!! 

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Happy Birthday! Geburtstag in Indien feiern – damit hätte Przemek vor der Weltreise niemals gerechnet.

Nachdem er sich für Ankes Geburtstag so richtig ins Zeug gelegt hat und sich in die wilden Wellen in Arugam Bay, Sri Lanka, geworfen hat, um ihr einen Fisch zu fangen (🎥 WELTREISE VLOG #63: Den Geburtstag wird Anke nie vergessen, denn Przemek hat eine Überraschung), wollte Anke nun auch nachlegen.

Die Schwierigkeit bei Geburtstagsüberraschungen auf einer Weltreise ist aber, dass man 24/7 zusammen ist und sich so heimliches Organisieren eher schwierig gestaltet. Doch auch ihr ist es gelungen … wir sagen nur: EPISCHER BOLLYWOOD-FILM!!! Die ganze Geburtstagsüberraschung gibt’s in Przemeks-Spezial-Weltreise-Vlog (🎥 WELTREISE VLOG #68: Geburtstags-Revanche. Wie indisch kann Przemeks Geburtstag werden?).

Was wir sonst noch in Mysuru erlebt haben? (🎥 WELTREISE VLOG #69: Es ist wie bei Aladdin … Mysuru Palace und Devaraja Market)

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Vor dem Mysuru Palast. Wir sehen die Elefanten praktisch mit unseren eigenen Augen über den Hof davor marschieren. Es ist wie bei Aladdin!
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Unser erstes „richtiges“ Indienfeeling, wie wir es uns vorgestellt haben, kriegen wir auf dem Devaraja Market in Mysuru.

Und dann? Wir steigen in einen Nachtbus von Mysuru nach Hampi und trauen unseren Augen kaum! So etwas haben wir noch nie im Leben gesehen! So komfortabel hätten wir unsere erste nächtliche Weiterreise nie erwartet! Wir sagen nur – Doppelbett in einem Bus! Unsere Gesichter sprechen Bände: 🎥 WELTREISE VLOG #70: Es läuft nicht alles nach Plan! Unsere erste Nachtfahrt in Indien.

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Völlig entgeistert im indischen Nachtbus. So etwas gibt’s???

In Hampi angekommen schlenderten wir durch die Ruinen der ehemaligen Hauptstadt des letzten großen hinduistischen Königreiches Indiens. Einfach nur beeindruckend!! 🎥 WELTREISE VLOG #71: Unglaublich! Diese viayanagarische Stadt. Sie haut uns um!)

 

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Eine unglaubliche Atmosphäre im Virupaksha Temples bei Nacht!


Von Kulturschock also immer noch keine Spur.
Wenn wir unsere nächste Station – die Hauptstadt Indiens – unbeschadet überstehen, kann uns nichts mehr schocken!

2 Gedanken zu „Indien: Eine Woche Yoga-Retreat und wir wissen nicht, was wir glauben sollen

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