Silvester in Japan: Die etwas anderen Feiertage

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Vor unserer Reise haben wir uns nie darüber Gedanken gemacht, wie in anderen Ländern Silvester gefeiert wird. Feuerwerk? Sektchen? Korken knallen lassen? Feiern? Countdown? Für uns normal. Aber nicht in Japan. Unsere etwas anderen „Feier“tage auf Weltreise.

Japanisches Silvester ist still. Neujahr ist religiös. Die Japaner verbringen die Zeit mit ihrer Familie. Es beginnen die wichtigsten Feiertage des Landes. Diese Beschreibung erinnert bei uns eher an Weihnachten. Und doch ist es ganz anders.

 


31.12.2018. ES IST RUHIG


31.12.2018, 23:56 Uhr. Wir haben uns extra in den Aufenthaltsraum unseres Hostels gesetzt, um ein wenig vertrautes Silvestergefühl aufkommen zu lassen. Sekt ist uns zu teuer, deshalb gibt es Chips mit Sektgeschmack. Sake erfüllt seinen Zweck um anzustoßen allemal und der Tisch ist voll mit Riesen-Windbeuteln und Schokolade.

Es ist still hier. Die Japaner lesen Manga oder sitzen an ihrem Handy, zwei Mädels quatschen leise miteinander, auch auf ihrem Tisch eine Wagenladung Snacks. Eine Taiwanesin trinkt Bier neben uns und ein Japaner schaut fernsehen. Immer wieder blicken wir zwischen Bildschirm und Uhr hin und her. Wir warten auf den Countdown.

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Kurz vor 00:00 Uhr. Der Countdown läuft … nicht!

31.12.2018, 23:58 Uhr. Plötzlich beginnt die Taiwanesin zu zählen. „TEN .. NINE … EIGHT …“ verwirrt blicken wir auf unsere Handys. Es ist doch noch gar nicht soweit! Doch wir wollen sie nicht hängen lassen und zählen mit. „… TWO … OOOONE! … HAPPY NEW YEAR!“ Rufen wir und die Taiwanesin. Die anderen machen verlegen mit. Wir stoßen an. Das war’s. Stille. Da war kein Countdown im Fernsehen. Das Programm läuft einfach weiter.

Wir blicken uns an. 23:59:45 Uhr. Jetzt müssten wir eigentlich anfangen zu zählen. Schnell wirft einer von uns ein „es war vorhin zu früh, wir müssen nochmal zählen“ in den Raum und wir beginnen mit „TEN .. NINE …“ verlegen machen wieder alle mit „…. TWO … OOOOONE! … HAPPY NEW YEAR!“ Wieder stoßen wir an. Wir unterhalten uns ein bisschen mit unserer einzigen Mitstreiterin, der Taiwanesin.

01.01.2019, 00:15 Uhr. Der Raum ist leer. Nur noch wir und einer der Manga-Leser, der zeitnah abreisen wird, sind noch hier. Wir lachen. Das aufregendste an diesem Abend sind unsere glitzernden Spielkarten. Aber das macht uns nichts. Andere Länder, andere Sitten. Ein wenig später gehen wir auch ins Bett. Am nächsten Tag wollen wir es den Japanern nachmachen: Wir besuchen zum Hatsumōde an Neujahr einen Shinto Schrein in Osaka.

 


01.01.2019: HATSUMODE


Hatsumōde ist der erste Tempelbesuch des Jahres, um mit einer kleinen Spende für Glück und Gesundheit im kommenden Jahr zu beten. Manche Japaner verbringen auch den Jahreswechsel bereits im Tempel und läuten (wortwörtlich) das neue Jahr mit 108 Glockenschlägen ein.

 


Als wir am nächsten Tag am Sumiyoshi Taisha, einem der bedeutendsten Shinto Schreine Japans, ankommen, ist es voll.  Menschenmassen schieben sich durch das für Shinto Schreine signifikante Tor und uns steigt der Geruch von Essen in die Nase. Das ist kein Zufall, denn auf dem Gelände des Schreins stehen unzählige Stände mit allerlei Leckereien, was ebenfalls typisch für das Neujahr in Japan ist: Viel und gutes Essen!

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Eingangstor zum Sumiyoshi Taisha. Einen Shinto Schrein erkennt man an genau diesen Toren.

 


Doch gleichzeitig ist es ruhig. Keiner drängelt und schubst. Es ist nicht so eng wie erwartet, denn jeder lässt seinem Nebenmann ausreichend Platz. Das gibt es auch nur in Japan und ist so bezeichnend für die Höflichkeit und außergewöhnlichen Rücksichtnahme der Menschen hier. Wir sind mal wieder verzuckert und verzaubert von der Atmosphäre!

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Bevor Gläubige einen Shinto Schrein betreten, waschen sie an einer solchen Wasserquelle Hände und Mund.
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Wie Japaner beten? Münze werfen, zweimal verbeugen, zweimal in die Hände klatschen, den Wunsch an die Götter richten und noch einmal verbeugen.

 

Street Food im Sumiyoshi Taisha zum Hatsumōde

Das war nur einer kleiner Ausschnitt der Rituale und Traditionen der Japaner rund um die Feiertage. Was es sonst noch passiert? Einige gehen beispielsweise für den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres auf einen Berg, um dort das erste Licht zu sehen. Oder ein älterer Japaner aus unserem Hostel drückte uns zwei Mützen in die Hand, denn wenn man Kindern – also in dem Fall wir 😀 – im alten Jahr Geschenke macht, dann bekommt man im nächsten Jahr etwas zurück.

Auch – oder wahrscheinlich auch gerade weil dieses Silvester so ganz anderes war als wir es kennen, sind wir unglaublich glücklich darüber, dass wir Gelegenheit hatten, uns während dieser wichtigen Feiertage unter die Japaner mischen zu können.

Frohes neues Jahr!!!
Oder wie man in Japan sagt:

あけましておめでとうございます

Akemashite omedetô gozaimasu!

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