Japan: Reisetief in den Alpen (Takayama)

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Die japanischen Alpen. Takayama im Winter. In den ersten Tagen liegt Schnee auf den kleinen traditionellen Häusern der Stadt und wir lieben diesen Ort. Doch hier haben wir auch einen Durchhänger – Przemek ganz besonders. Es ist sein erstes Reisetief auf unserer Weltreise. Woran das liegt und warum wir trotzdem zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind? Das verraten wir dir in diesem Beitrag.

Wir sind in Takayama gelandet. Es ist ein kleines süßes Städtchen nordöstlich von Kyoto und damit abseits der typischen Reiseroute durch Japan. Schon während der Busfahrt nach Takayama sind wir aus dem Häuschen, denn draußen liegt SCHNEE! Der erste auf unserer Weltreise und das hatten wir uns für die Weihnachts- und Winterzeit in Japan gewünscht!

Kaum setzen wir den Fuß ins Hostel in Takayama, schon verlängern wir unseren Aufenthalt. Wir fühlen uns sofort wohl in diesem Städtchen und in unserer Unterkunft. Aus ursprünglich drei Tagen wurden schließlich zehn.

 


TAKAYAMA: ABSEITS DER TYPISCHEN REISEROUTE


Dass wir so lange bleiben, hat nicht nur was mit den hübschen roten Brücken zu tun, die zwischen weißem Schnee hell leuchten. Oder mit den niedlichen traditionellen Häuschen, die sich pittoresk vor den Bergen im Hintergrund abheben. Oder mit der Ruhe, die uns nach den letzten Großstädten gut tut. Also auch .. aber der Hauptgrund ist: Wir haben die Zeit.

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Takayama. Rote Brücken vor weißem Schnee. Es ist wundervoll!

Unser Flieger nach Singapur geht erst in 20 Tagen (Chinese New Year!!!) und wir haben nur noch einen Stop vor uns: Tokio. Wir hatten ja schon erzählt, dass Low-Budget-Reisen in Japan doch nicht so wirklich möglich ist, wie es zunächst den Anschein hatte. Vor allem die hohen Preise für den Bus (Bahn ja sowieso) schlagen ziemlich zu Buche. Deshalb belassen wir es für die letzten Tage lieber bei weniger Stops und bleiben dafür länger im wunderhübschen Takayama und Umgebung.

 


WINTER IN DEN JAPANISCHEN ALPEN:
LOKALE EVENTS IN UND UM TAKAYAMA


Während unserer Tage in Takayama passiert so viel. Japaner verbrennen ihre Neujahrsdekoration während Dondo Yaki und wünschen sich Erfolg und Gesundheit im neuen Jahr.

Du möchtest uns bei unserem Tempel-Besuch zum Dondo Yaki begleiten? Gerne → 🎥 WELTREISE VLOG #87: Takayama im Winter und japanische Neujahrsbräuche.

In Furukawa, einem Nachbardorf von Takayama, findet das Santera Mairi Festival statt, zu dem sich junge Japanerinnen und Japaner in hübsche Kimonos kleiden. Früher war das die Gelegenheit, um eine Partnerin oder Partner zu finden (Vlog folgt). 

Auf eine Sache hatte sich Anke schon ewig gefreut. Sie wollte unbedingt einmal selbst das typisch japanische „Fake-Food“ herstellen, das in den Auslagen vor den Restaurants zeigt, was es drin zu essen gibt.

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Fake-Food! In Gujo wurde Ankes Traum endlich wahr und wir formen selbst Salat und Tempura.

Deshalb machen wir einen Tagesausflug nach Gujo, wo wir uns an Salat und Tempura probieren (Vlog dazu folgt noch).

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Konzentration Przemek, Konzentration. So ein Salatblatt aus heißem Wachs ist gar nicht so leicht zu formen.

Die japanischen Alpen rund um Takayama sind einfach nur wunderschön und die Orte dazwischen so schnuckelig. So auch Gujo:

Und auch hier haben wir das Glück ein lokales Fest mitzuerleben: Das Färben von Koinobori im eiskalten Fluss „Yoshida“. Jedes Jahr, am kältesten Tag des Jahres (etwa der 20. Januar) und ein weiteres Mal im frühen Februar werden die frisch gefärbten und farbenfrohen Karpfenfahnen (Koinobori) über Nacht in den Flusslauf gelegt, um die Farben zu fixieren.

Takayama und seine Umgebung gehört auf jeden Fall zu unseren Favoriten in Japan. So süß, so schnuckelig, so viel gibt es zu entdecken und erleben. Doch …

 


PRZEMEK HAT SEIN REISETIEF


Hunger, Pipi, kalt … ah ne, anders: kalt, dunkel, teuer … wir müssen auch zugeben, dass wir uns auf den Abflug freuen. Mittlerweile sind wir bereits fünf Wochen im Land der aufgehenden Sonne und haben so langsam echt genug von Kälte, Dunkelheit und den hohen Preise (Winter in Japan halt). Unser Tagesrhythmus ist seitdem wir in Tokio gelandet sind völlig im Eimer. Przemek hat es besonders schlimm erwischt.

Vor zwei, drei Uhr nachts können wir nicht einschlafen – bei Przemek geht es sogar eher drei, vier Uhr – und entsprechend kommen wir nicht vor zwölf Uhr aus den Federn (selbst dafür brauchen wir einen Wecker). Jeden Morgen fühlt es sich an, als hätten wir uns vorher unzählige Sakes reingeschraubt und nur fünf Stunden geschlafen. Das ist selbst für uns Nachteulen und leidenschaftliche Langschläfer nicht normal.

Es ist völlig untypisch für Przemek, nicht aus dem Bett zu springen und voller Unternehmungsgeist so schnell wie möglich aus dem Haus zu wollen. Stattdessen fällt es ihm schwer sich zu motivieren und er könnte noch viel länger als 13, 14 Uhr schlafen. Das gab es auf der Reise bisher nie!

Wir werden im Hostel schon aufgezogen, wenn wir jeden Tag erst gegen 13 Uhr  frühstücken. Bis wir dann schließich aus dem Quark kommen und vor die Tür treten, geht die Sonne nur wenige Stunden später wieder unter. Um 16:00 Uhr. Winter in Japan halt.

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Nach dem Morgenmarkt in Takayama. Der ist bis 12 Uhr geöffnet und wir schaffen es nur mit Ach und Krach rechtzeitig aus dem Haus. Unser Tagesrhythmus ist in Japan völlig hinüber.

Przemek, dem es eigentlich (fast) nie zu warm genug sein kann und der die Sonne liebt, fehlt die Wärme und das Licht besonders. Auch ist er klamottentechnisch nicht so gut ausgerüstet und friert eigentlich jeden Tag, wenn wir vor die Tür treten. Trotz der unzähligen Schichten, in die er sich jeden Tag quetscht. Kurze Hose und T-Shirt – wo seid ihr??

Das was wir bisher auf der Reise so gerne gemacht haben – draußen einfach durch die Straßen laufen oder sich hinsetzen, Leute beobachten und die Eindrücke aufsaugen – ist bei einstelligen Gradzahlen einfach nicht drin und um uns regelmäßig irgendwo gemütlich reinzusetzen, ist uns Japan einfach zu teuer.

Denn einen Faktor haben wir neben den kurzen Tagen und der Kälte für unsere (größtenteils) Low-Budget-Weltreise unterschätzt: Das Preisniveau außerhalb der typischen Reiseroute. Darüber hatten wir ja schon einmal berichtet und das nervte uns immer mehr, je länger wir reisen.

Zwar haben wir schon super viel in Japan gesehen und erlebt, doch der richtig coole und verrückte Scheiß – für den Japan berühmt ist – kostet eben und ist nicht billig. Aber keine Sorge – wir haben uns trotzdem ab und zu ausgewählte Aktionen gegönnt.

Wir vergleichen die Preise gerne mit denen in Europa und auch da setzt du dich nicht jeden Tag in ein Café und trinkst drei Getränke, gehst essen oder machst jeden Tag einen (großen) Ausflug. Bei einem Kurzurlaub in Europa vielleicht schon – doch bei einer Langzeitreise müssen wir einfach aufs Geld achten.

Dieses Leichte, Unbeschwerte und unsere Freude daran, neue Dinge auszuprobieren (sowohl Essen als auch Aktivitäten) hat in Japan damit einen großen Dämpfer bekommen. Früher als geplant wieder auszureisen ist aber keine Option, denn der Flug ist fest gebucht.

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Käffchen trinken in Japan. Ein wahres Luxusvergnügen bei einem Preis von 5 Euro pro Tasse.

Doch wir wollen nicht klagen, wir wollen dir nur zeigen, dass es ganz normal ist, während einer (langen) Reise durchzuhängen (Przemek jetzt nach neun Monaten auf Weltreise, Anke in Indonesien nach drei Monaten), dass Erwartungen von der Realität abweichen und dass der Blick auf’s Budget vor allem in teureren Ländern einfach dazu gehört.

Es ist einfach so: Eine Langzeitreise ist nun einmal kein Urlaub.

 


AKKUS AUFLADEN


Doch Schwamm drüber. Wir nutzen jetzt einfach die Zeit Kräfte und Bock für das nächste Land zu sammeln, machen einen gaaaanz ruhigen in Takayama und dann nochmal einen gaaaaanz ruhigen in Tokio. Und danach gibt’s Rambazamba in Singapur! Wir freuen uns extrem drauf!

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Chinese New Year 2019 in Singapur. Und wir werden da sein!

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