Und? Wie war’s in Marokko?

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Wir wollen ganz ehrlich sein … unsere Zeit in Marokko hat uns nicht gepackt. Wir waren (zu) oft genervt, uns fehlte der Drang vor die Tür zu gehen und unsere Herzen wurden immer schwerer. Warum, wieso, weshalb, verraten wir euch in diesem Beitrag. 


UNSER MAROKKO IN „ZAHLEN“


WÄHREND UNSERER 23 TAGE IN MAROKKO …
… haben wir 1 Nacht in der (Pre-)Sahara übernachtet
… haben wir 5-tägigen Roadtrip gemacht
… wurden wir 1 Mal von der Polizei angehalten
… standen wir auf 1 Surfboard
… haben wir so viele marokkanische Pfefferminztees getrunken
… mussten wir unsere Verhandlungsskills auf Level 1.000 heben

Marokko war unser letzter Stopp außerhalb Europas, bevor wir langsam über Spanien und Frankreich nach Deutschland zurückkehren würden. Wir stellten uns vor, dass es ein letztes Mal „Fremde“ für uns auf Weltreise sein wird. Ein seichter und doch aufregender Heimweg. Es gab Momente, die unsere Herzen hüpfen ließen, doch es gab auch welche, bei denen wir unsere Augen verdrehten. Doch nun genug kryptische Worte, denn die Auflösung folgt, wenn wir wie immer die Frage beantworten:

Und? Wie war’s in Marokko?

 


Es fällt uns schwer zu schreiben


Es fällt uns schwer, die nächsten Zeilen zu schreiben, denn eigentlich gehören wir zu den Menschen, die versuchen aus jeder Situation das Beste zu machen. Wir wollen nicht undankbar klingen, wenn wir doch die Gelegenheit hatten, so viele wunderschöne Momente erleben zu dürfen. Trotzdem gab es mehrere Gründe, warum wir unsere Zeit in Marokko nicht so genießen konnten, wie wir es uns erhofft hatten. Da solche Momente auch zum Reisen gehören und nicht alles immer Friede, Freude, Eierkuchen sein kann, möchten wir euch auch davon erzählen.

Der ausschlaggebendste Punkt, warum ein schaler Nachgeschmack bleibt, sind  – und genau das fällt uns schwer zu schreiben –  die Begegnungen mit den Menschen, die wir auf unserer Rundreise durch Marokko trafen.

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Eine der wenigen ruhigen Ecken der Medina Marrakeschs. Je näher wir dem Markplatz Djemaa el Fna kamen, desto aufdringlicher wurden die Verkäufer.

An dieser Stelle wollen wir betonen, dass wir auf keinen Fall alle Marokkanerinnen und Marokkaner über einen Kamm scheren wollen – wie auch – bei unseren Erzählungen geht es ausschließlich um die Personen, mit denen wir tatsächlich Kontakt hatten.

Und, was Reisende niemals außer Acht lassen dürfen: Unsere Ausgaben im Land sind die Einkommensquelle für viele Menschen, die so ihre Familien ernähren.

 


WARUM EIN SCHALER NACHGESCHMACK BLEIBT


Nichtsdestotrotz, auch mit diesen Gedanken im Hinterkopf, bekamen wir bereits bei unserem dritten Stopp, Marrakkesch, zu viel. Als wir durch die bekannteste Medina (=Altstadt) Marokkos schlenderten, versuchten mehrmals junge Männer hartnäckig uns durch das verwirrende Labyrinth der Straßen zu einem bestimmten Geschäft zu drängen, ohne dass wir überhaupt etwas suchten. Oder als uns ein Verkäufer auf dem Marktplatz Djemaa el Fna zu nah kam und uns einen Affen auf die Schulter setzen wollte. Oder als eine Frau bereits nach Ankes Hand griff, um ihr mit Henna auf der Haut etwas zu malen. Taxifahrer forderten Preise, die um ein Vielfaches höher lagen, als das was wir im Internet recherchiert hatten.

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Taxifahren in Marokko bedeutet, alles aus deinen Verhandlungsskills rauszuholen, was du hast.

Ja, wir können uns leicht darüber beschweren, denn theoretisch könnten wir uns diese zusätzlichen Ausgaben leisten und die Leute könnten durch uns Geld verdienen. Trotzdem hinterlässt all das einen schalen Nachgeschmack, da wir zu oft das Gefühl hatten, nur ein wandelndes Portemonnaie zu sein. 

Vor allem folgende Geschichte ärgerte uns sehr (wir versuchen uns möglichst kurz zu fassen):

 


UNSERE NEGATIVSTE ERFAHRUNG IN MAROKKO


Wir waren auf unserem Roadtrip in Ait Benhaddou angekommen, um Marokkos berühmteste Filmstadt zu besichtigen. Über Umwege landeten wir dort im „Reisebüro“ eines Marokkaners, der Touren durch die Wüste bei Merzouga verkaufte. Das sollte unser übernächster Stopp auf der Rundreise werden. Die komplette Geschichte, wie wir in dem Büro gelandet sind, erzählen wir im Vlog (wie gesagt, ist eine längere Geschichte). 

Der Marokkaner erzählte uns jedoch, dass es gar keine Camps mehr in der Wüste geben würde, da die Regierung vor etwa einem Monat die Camps aufgelöst hätte. Jetzt sei es nur noch möglich, einen Tagesausflug durch die Wüste zu machen, schlafen würde man dann jedoch in einem der Hotels am Stadtrand Merzougas. 

Wir waren skeptisch und wollten uns nicht darauf festnageln lassen, jetzt sofort bei ihm die Tour zu buchen und fragten stattdessen, ob er uns die Adresse seines Cousins, der die Touren in Merzouga durchführt, geben könnte. Dann würden wir direkt zu ihm hinfahren und bei ihm vor Ort buchen, wenn es wahr sein sollte, dass die berühmtesten Übernachtungen Marokkos in der Wüste nicht mehr möglich wären. Drauf ließ der Marokkaner sich jedoch nicht ein und so verließen wir das Büro, ohne uns einig zu werden.

Zum Glück hatten wir auf unser Bauchgefühl gehört, denn kurze Zeit später übernachteten wir in einem der Camps, die es angeblich nicht mehr gab.

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Blick auf die (Pre)Sahara von einer Sanddüne aus. Im Hintergrund sind die weißen Camps erkennbar.

Über Instagram erfuhren wir im Nachgang, dass die Regierung tatsächlich Camps entfernt hatten – und zwar die, die keine Erlaubnis hatten Camps in der Wüste zu betreiben. Soviel dazu.

Vor allem dieses Ereignis hing uns noch lange nach. Wir hatten schon oft erlebt, dass versucht wurde, höhere Preise für Touristen zu veranschlagen. Wie gesagt, wir können das ja auch nachvollziehen. Doch so angelogen zu werden, haben wir auf unserer Reise selten erlebt.

 


Doch es gab natürlich auch besonders schöne Momente!


Auch wenn der Text über unsere unschönen Momente lang geworden ist, heißt das nicht, dass wir unsere Zeit in Marokko nicht genossen haben.

Wie im letzten Blogbeitrag bereits berichtet, hatten wir DEN perfekten Moment auf den Sanddünen bei Merzouga, ein Freund aus der Heimat hat uns beim Surfen besucht, wir haben auf unserem Roadtrip viel gesehen und wir haben viele leckere marokkanische Pfefferminztees und noch leckerere (ist das ein Wort?) Frühstücke auf unserer Rundreise genossen.

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Marokkanisches Frühstück – einfach himmlisch: Marokkanischer Minztee, frisch gepresster Orangensaft, Pfannkuchen, Grießbrot, Honig, (Aprikosen-)Marmelade, Quark und Amlou (Mandelpaste).

Wir schliefen in Fès eine der schönste Unterkünfte unserer Reise – Anke fühlte sich direkt wie eine marokkanische Prinzessin.

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Unsere Unterkunft in Fes. Ein Traum!

Und wir freuten uns über die vielen blauen und hübschen Ecken in Chefchaouen. 

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Chefchaouen, die blaue Stadt Marokkos.

Doch wir merkten auch, die Luft war raus. Selten haben wir auf unserer Reise hintereinander im selben Restaurant gegessen wie in Marokko. Stattdessen wollten wir immer so viel ausprobieren wie möglich. Selten vertüdelten wir so viel Zeit im Zimmer und in Cafés, wenn wir eigentlich nur für kurze Zeit an den Orten waren. Und ganz und gar nicht selten redeten wir von der Heimreise.

Die Luft war raus, das Herz wird schwer

 


WAS WIR IN DEM MOMENT FÜHLTEN


Folgenden Text habe ich um 01:00 Uhr nachts geschrieben, als wir im McDonalds in Tetouane in Marokko saßen. Wir warteten darauf, dass wir in den Flughafen konnten, um den Flieger um 05:00 Uhr morgens nach Spanien zu nehmen. Als wir tatsächlich realisierten, dass es zurück gehen würde.

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Nachts im McDonalds, wir nutzen die Zeit zum Blog schreiben und Vlog schneiden.

„Wie es sich anfühlt das so WIRKLICH zu realisieren? Schwer zu beschreiben. Zuerst .. dumpf?  Schwer? Traurig? Endgültig? … ja … es ist wohl alles zusammen und noch so viel mehr. Selten fiel es so schwer, Emotionen in Worte zu fassen.

Wir kehren WIRKLICH in unser – wie wir es im Moment nennen – altes neues Leben zurück. Sollten wir darüber nachdenken? Wollen wir das? Uns die Tatsache noch weiter vor Augen führen? Versuchen uns darauf vorzubereiten? 

Sollten wir den Gedanken beiseite schieben? Schließlich können wir es eh nicht ändern. Warum jetzt noch Energie drauf verschwenden?

Vedrängen? Traurigkeit zulassen? Noch aktiver vor Augen führen, was wir in Deutschland wieder haben werden? Familie und Freunde? Unsere gemütliche Wohnung? Ein echtes Zuhause? Sport? Routine, die wir mittlerweile zu schätzen gelernt haben?

Keine Ahnung, was am besten ist. Gibt es überhaupt ein „am besten“? Vermutlich nicht.

Und ein neuer Gedanke schwirrt in unseren Köpfen: War es die richtige Entscheidung langsam nach Deutschland zurückkehren zu wollen? Um uns daran zu gewöhnen? Hätten wir uns lieber ein Knaller zum Ende aufbewahren sollen? Damit wir vergessen? 

Das wissen wir auch nicht. Werden es nie wissen. Und das ist auch in Ordnung so.“

Ja, ich weiß. Das klingt ganz schön dramatisch. Doch so dramatisch und aufwühlend fühlte es sich in dem Moment auch an und das wollten wir euch ungefiltert zeigen.

 


UNSERE ANTWORT IN KURZ


MAROKKO WAR DURCH INNERE UND ÄUSSERE UMSTÄNDE GETRÜBT.

TROTZDEM WERDEN WIR DIE MAGISCHEN MOMENTE, DIE WIR DORT ERLEBT HABEN, NIEMALS VERGESSEN.

 

Next: Heimreise über Europa

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